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Deutschland

Sehr abwechslungsreiche Strecke von Schloss zu Schloss, durch verschiedene Landschaften und Naturparks.

Wir haben die Tage tolle neue Touren in der Heimat befunden und zwar entlang der sogenannten Fürstlichen Route, die zwischen Elbe und Spreewald verläuft. Auf deren Website https://fuerstliche-route.de gibt es viele hilfreiche Infos und Tipps zu Strecken, Einkehrmöglichkeiten, Übernachtung und viele mehr.

Folgende Tour ist ein 2-Tagestour, welche die komplette Fürstliche Route, welche zwischen Elbe und Spree verläuft, abfährt und unterwegs viele Sehenswürdigkeiten und Naturerlebnisse parat hat. Sie startet entlang der Elbe bei Dresden und endet im Spreewald.

Tag 1 - 188 km

MORITZBURG – MEISSEN

Nach Fotopause oder Schlossrundgang, geht’s über Niederau, eine Gemeinde mit vier Kirchen und Wasserschloss, nach Meißen auf die Albrechtsburg. Das spätgotische Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert wurde 300 Jahre später zur ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Heute begeistert eine interaktive Ausstellung zu fünf verschiedenen Schwerpunkten Besucher aus der ganzen Welt.

Parkmöglichkeiten gibt es an der Elbe, gleich neben der großen Treppe oder neben dem Aufzug zum Burgberg. Wer ein bisschen mehr Zeit hat, wird sicher auch die Porzellanmanufaktur der Gegenwart in der Stadt besuchen.

Und für alle, die auf historischen Spuren unterwegs sind, noch ein Extra-Tipp: Noch immer gibt es die fragilen Gebäcke aus Mehl und Wasser, die Meißner Fummel, in der Konditorei Zieger. Zu Augusts Zeiten nahmen sie die Kuriere mit auf ihrem Weg, um sie am Ziel unversehrt zu präsentieren. Biker´s Battle: Erreiche das Barock-Schloss Diesbar-Seußlitz mit komplettem Fummel.

  

 

DIESBAR-SEUSSLITZ –MÜHLBERG – TIEFENAU- ZABELTITZ

In Diesbar-Seußlitz beginnt die Sächsische Weinstraße. Das zweigeschossige Gartenhaus im Park wurde nach Plänen von George Bähr, dem berühmten Baumeister der noch berühmteren Frauenkirche, gebaut und die Steillagen der Winzer bieten zu allen Jahreszeiten schöne Fotomotive. Die Straßen werden leerer, die Wiesen und Auen breiter. Wir sind hier die Sensation, weil lange nichts Lautes passiert ist.

Wir sind in Mühlberg/Elbe, wo einst die Nonnen wohnten. Als die Herren von Ileburg im 13. Jahrhundert Stadtherren in Mühlberg waren, gründeten sie das Nonnenkloster. Seit der Jahrtausendwende wohnen Mönche des Clarentiner Ordens in den historischen Mauern. Die Stadt selbst spielt eine zentrale Rolle für alle Städte und Regionen, die sich den Wegen und dem Wirken Kaiser Karl V. widmen. Aufgrund ihrer herausragenden Verdienste darf die Stadt Mühlberg als „Stätte der Reformation“ das Europäische Kultursiegel tragen. Das Museum ist außer Montag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das wird uns noch oft begegnen. Museumsfreunde sollte nicht den Montag wählen, um die Fürstliche Route zu erkunden. Montags sind zwischen Dresden und Spreewald viele Museen geschlossen. Rosengärten haben auf. So wie der in Tiefenau. Sandsteinfiguren, Bänke, vier barocke Pavillons und natürlich die Königin der Blumen. Es lohnt sich auch ein Blick in die Kirche. Wer kann die echte Orgel vom Fake-Instrument unterscheiden?

Die nächste Station auf unserem Weg von der Elbe an die Elster ist Zabeltitz. Tu parles français? Nein, keine Bange, macht nur die Einstimmung leichter auf das, was wir jetzt erleben können. Hofbaumeister Johann Christoph Knöffel persönlich hat die wunderschöne barocke Anlage nach französischem Vorbild erbaut. Sein Auftraggeber Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth hat enormen Wert auf große Vorbilder und Bauästhetik gelegt. Wer also Freude an überraschenden Ausblicken, verspielten Sandsteinskulpturen in streng symmetrischer Parkanlage hat und genau diese Gegensätze liebt, runter vom Gas und rein in die Parkanlage, um den Barockgarten mit Palais und Altem Schloss zu genießen.

Besonders an sonnigen Herbsttagen kommen die dann farbenfrohen Linden und Kastanienalleen so richtig zu Geltung. Das „Alte Schloss“ wird der Renaissancebau genannt, den wir vom Palais schon sehen können. Mit diesem Blick auf den ehemaligen Pferdestall und die darüberliegende Herberge der Fürstlichen kommt auch der Appetit. Nach dem kleinen Spaziergang bietet sich eine Rast in der hiesigen Parkschänke an. Die sächsische Landküche ist eine Gaumenfreude und erst recht mit selbst angebauten frischen Kräutern. Nach der Stärkung und neun weiteren Kilometern erreichen wir Großenhain.

  

 

GROSSENHAIN- SCHÖNFELD – ORTRAND – GROSSKMEHLEN

Geschichtsinteressierte können in Großenhain auf den Spuren von Preusker, Zürner und Zschille wandeln, Technikbegeisterte sich dem Flugwesen oder der den Radiogeräten widmen und wieder andere schauen sich die spätbarocke Marienkirche an und bummeln durch die Altstadt. Souvenir gefällig? Wenn es in Zabeltitz geschmeckt hat, passt vielleicht das Kochbuch zu kulinarischen Touren durch Sachsens Dörfer in die Tasche.

Der Ort Schönfeld wurde erstmals Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt. Das Schloss, ursprünglich als Wasserburg erreichtet, erinnert nach seinem Umbau an die Renaissance. Das angrenzende Park ist im englischen Stil errichtet und hier ist Sachsens bedeutendster Straußenfarnbestand zu bewundern.

Die Tour geht weiter nach Ortrand. Durch dieses Städtchen führt die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen. So kommt es zu interessanten Schildern in Deutschlands ohnehin dichtem Schilderwald. Das Selfie zum Beweis ist schnell gemacht. Bei dieser Gelegenheit werden auch klassizistische Elemente an Häusern und Fassaden sichtbar. Johannes Heinrich Böhmig, Ortrands Baumeister des 19. Jahrhunderts hat seine Kunst beim berühmten Schinkel gelernt. Die Zeugnisse dafür existieren in der Altstadt noch, ein Hauch Fürstliches im Pragmatischen. Da wir schon wieder rund 50 Kilometer unterwegs sind, wäre eine Kaffeepause angemessen. Im Eiscafé Ortrand ist täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Willkommen in Brandenburg.

Unsere nächste Station Großkmehlen ist die südlichste Gemeinde Brandenburgs und eine der ältesten. Gegründet wurde sie im Jahre 1205. Bekannt ist die Gemeinde auch durch ihre 300 Jahre alte Silbermannorgel. Sportlich sind die Bewohner heute auch. Neben Fußball, Kegeln, Tischtennis oder Wandern, fährt man hier auch Motocross. Die Bauern zu früheren Zeiten lebten vom Hopfenanbau.

 

GRÖDEN – ELSTERWERDA - UND ABSTECHER NACH SAATHAIN – BAD LIEBENWERDA

Die Grödener Berge sind mit rund 200 Höhenmetern die höchsten Erhebungen dieses Landstrichs. Der weithin sichtbare Turm aus Lärchenholz ist 34 Meter hoch. Es lohnt sich wirklich, die 162 Stufen zu erklimmen, um weit ins Land hinein schauen zu können. Von hier aus sieht man auch das Wintersportgebiet in weniger als einem Kilometer. In Elsterwerda könnten wir den ersten Tag der Fürstlichen Route beschließen und im Hotel Arcus übernachten. Hier kocht die Chefin noch selbst und damit auch wirklich alles passt, gibt’s auch Wellnessangebote. Wir wollen aber doch noch ins Bad, nach Bad Liebenwerda. Dafür nehmen wir noch den Abstecher nach Saathain mit. Die Straße nach Bad Liebenwerda führt direkt dran vorbei und wir haben Lust auf noch mehr Rosen. Im ehemaligen Schloss begegnen wir Schneewittchen und Elisabeth. Das sind nur zwei der rund 100 Rosensorten des heutigen Rosengartens von Gut Saathain.

Bad Liebenwerda ist bekannt für gute Luft, attraktive Heidelandschaft, Mineralwasser, Kuranwendungen, seine gotische Nikolai-Kirche aus dem späten 15. Jahrhundert und den weithin sichtbaren Lubwartturm. Wie ein Backsteinstempel steht das rund 30 Meter hohe Bauwerk nahezu mitten auf der Kreuzung. Der Blick nach 122 Stufen lohnt sich. Im gegenüberliegenden Museum wartet eine weitere Attraktion. Einzigartig ist die Sammlung der Marionetten des einstigen Wandertheaters aus dem 18. Jahrhundert. Mitte September lebt diese Tradition alljährlich beim Internationalen Puppentheaterfestival wieder auf. Jetzt heißt es aber, „ab in die Puppen.“

 

Tag 2 – 167 Kilometer

ELSTERWERDA - BAD LIEBENWERDA – UEBIGAU-WAHRENBRÜCK - HERZBERG/ELSTER

Guten Morgen. Gut geschlafen oder gar fürstlich geruht? Den Lubwartturm haben wir uns für heute Morgen aufgehoben. Der Blick in die Ferne und auf die herrliche Heidelandschaft ist Motivation für alles, was uns noch erwarten wird. Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die Landschaft zwischen Elbe, Elster und Spree verändert, wie Wiesen immer größer werden, Straßen ruhiger und der Blick klarer, viel fokussierter auf die kleinen Dinge des Alltags, die Details, die kaum einer sieht. 

Uebigau glänzt auf der Fürstlichen Route mit seinem zum Schloss gewordenen Gutshaus und einer wunderschönen Parkanlage. Rund 150 Jahre alt ist das Gebäude, errichtet im Neobarock, mit Jugendstilelementen, Trauzimmer und Übernachtungsangeboten. In Uebigau-Wahrenbrück und der nahen Umgebung könnten wir auch unterschiedliche technische Denkmale sehen, Mühlen, Wasserkraftanlagen und Teile ehemaliger Brikettfabriken.

Das mittelalterliche Herzberg liegt an der Schwarzen Elster. Es lohnen sich nicht nur der Blick in die Backsteinkirche St. Marien mit ihren Deckenmalereien oder der Besuch des Botanischen Gartens. Die charmante Kleinstadt erobert die Herzen aller Besucher, auch derer, die im Augenwinkel ihre Schönheiten wahrnehmen.

SCHLIEBEN – STECHAU - DOBERLUG-KIRCHHAIN – FINSTERWALDE

Über Herzberg führt der Weg nach Schlieben. 1000 Jahre alte Geschichte und edle Tropfen aus dem nördlichsten Weinanbaugebiet der hiesigen Winzer finden ihre Liebhaber. Bacchus, Müller-Thurgau und Regent werden kultiviert. Die edlen Tröpfchen sind u.a. in der Touristinformation Drandorfhof erhältlich. Eingepackt und weiter geht’s nach Stechau. Stechau hat gleich mehrere Superlative. Das Straßenangerdorf ist das älteste und größte der Fichtwalddörfer und es hat eines der prächtigsten barocken Schlösser des Elbe-Elster Landkreises. Das Schloss bildet das Zentrum des Ortes und im Sommer eine wundervolle Kulisse der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Seit den 90er Jahren in Privatbesitz, kann das aufwendig sanierte Bauwerk nur von außen besichtigt werden. Allerdings bietet der Besitzer auf Anfrage auch Führungen an. Der reichlich sieben Hektar große Park lädt immer zum Spaziergang ein. In Doberlug-Kirchhain bietet sich ein Mittagessen an. Einheimische, saisonale Küche gibt’s in der Klosterschänke im Stadtteil Doberlug. Danach gibt’s auch gar keine Chance fürs Suppenkoma, es wird gesungen. Finsterwalde ist die Sängerstadt. Und Finsterwalde hat ein Schloss, in dem noch regiert wird. Die großzügige Anlage aus der Renaissance ist heute Sitz der Stadtverwaltung und der Turm kann während der Bürozeiten besichtigt werden.

 

FÜRSTLICH-DREHNA – CALAU – REUDEN

Dort wo Kraniche und Gänse ziehen, ist Fürstlich Drehna. Die wunderschöne Schlossanlage ist markant. Zwei mächtige Rundtürme prägen das unverwechselbare Bild. Ganz besonders schön ist der Park, den Peter Joseph Lenné mit vielen Brücken und Wasserläufen zu einem meisterlichen Landschaftspark romantischer Gartenbaukunst des 19. Jahrhunderts umgestalten lies. Das Schloss selbst ist eine fürstliche Herberge, um im Bild unserer Route zu bleiben. Sowohl die individuell gestalteten Zimmer als auch die Wellness-Angebote laden ein, länger zu bleiben.

Immer mal wieder die Landschaft aus der Vogelperspektive zu betrachten ist ein guter Ausgleich. In Calau gibt’s Panoramaaussicht aus 37 Metern Höhe, Glockenstuhl und Kirchturmuhrenstube mit drei Uhrwerken aus unterschiedlichen Zeitepochen – und alles für nur einen Euro. Herr Kschischow begleitet jeden angemeldeten Aufstieg von April bis Oktober.

Vom Turm aus kann man natürlich viel weiter sehen als nur ins fünf Kilometer entfernte Reuden. Nahezu mitten durch die Gurkenfelder fahren wir zur weithin sichtbaren Kapelle. Alle Straßen heißen Lindenallee und führen nach Reuden. Die Dorfstraße zur Kapelle. Heute gibt es hier unterschiedlichste Ausstellungen und Veranstaltungen zur fürstlichen Unterhaltung auf der Fürstlichen Route. Ursprünglich ließ Oberst Borcke die Kapelle bauen. Sein Sohn Otto Bernhard vollendete sein Werk. Über dem Eingang der Kapelle befinden sich die Familienwappen derer von Borcke und Edeling.

VETSCHAU - LÜBBENAU

Runter vom Gas und genießen. In 15 Kilometern sind wir am Ziel unserer Fürstlichen Tour. Wir sind von der Elbe, an die Röder und Elster bis an die Spree gefahren. Wir haben mehr Rosen als Menschen gesehen, öfter als im Alltag die Chance genutzt, mal mit Abstand von oben zu schauen, sind eingetaucht in 1000jährige Geschichte und aufgetaucht in Schlössern, die heute der Verwaltung dienen. Wir haben in weniger als 48 Stunden so viel Veränderung gespürt, das geht gewiss nicht spurlos an uns vorbei. Hallo Calau. Auch Wortspiele müssen sein.

Hier in Vetschau ist es auch so, wie in vielen Gemeinden der Region, es wird im Schloss regiert. Welche alten Bäume waren am beeindruckendsten? Haben wir wirklich Kraniche gesehen? Sollten wir zu einer anderen Jahreszeit noch einmal fürstlich reisen? Diese Entscheidung fällt am besten beim Essen.

Wir können uns noch nicht ganz entscheiden, ob es diesmal das Kartoffelnest am Hindenberger See sein soll, die grandiose Pizza im Benvenuti oder doch das Arrangement in einem der vielen Wellnessoasen. Fest steht, es ist ein fürstlicher Ausflug und die Strecke funktioniert in beide Richtungen, von Brandenburg nach Sachsen und von Sachsen nach Brandenburg.

 

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Alle Fotos von Andreas Franke, Franke Fotografie.

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