#1

Èrdna

Österreich

Servus miteinand,

ein weiteres Wochenende verspricht nochmal bestes Motorradwetter und daher werde ich Scarlett erneut in die Schweiz ausführen. Sustenpass, Grimselpass und Furkapass wollen auch noch von der diesjährigen To-Do-Liste gestrichen werden. Ungefähre Route vermutlich so ähnlich:

https://goo.gl/maps/S3grr1Fm5AB2

Falls jemand mitkommen möchte, einfach kurz melden. 😉

Gruß,
André

#2

Èrdna

Österreich

Sonntag, 30.09.2018, 9 Uhr und ein paar Gequetschte. Die vermutlich letzte Gelegenheit, um heuer nochmal eine ausgedehnte Tour in die Schweizer Alpen zu unternehmen. Von kotzenden Katzen und ähnlichem Ungemacht war ich dieses Mal glücklicherweise verschont geblieben und auch das Wetter, Wetter, Wetter spielte mit. Strahlender Sonnenschein. Perfekt. Thermofutter brauchen wir nicht! Also: aufsatteln und los.

Von Lustenau aus überqueren wir nach wenigen Minuten die unbewachte aber hart umkämpfte EU-Außengrenze zur Schweiz um uns auf die S13 in Richtung Altstätten zu schwingen. Ich versteh immer noch nicht ganz, warum man bei 80km/h von einer Schnellstraße sprechen darf, aber was solls. Kurz hinter Altstätten verlassen wir St. Gallener Stammesgebiet und stoßen in Appenzeller Bereiche vor. Die ersten Kurven und Kehren warten kurz vor Warmesberg und sind perfekt zum Warmfahren. Eigentlich. Uneigentlich gibt es nur eine Sache die schlimmer ist, als deutsche Sonntagsfahrer in der Pampa: schweizer Sonntagsfahrer in der Pampa! Wenn beide auf einander treffen ist der Tag eigentlich schon fast gelaufen. Egal, Augen zu und durch. Durchgezogene Linien sind eh nur Deko, habe ich in Italien gelernt. Glücklicherweise feiert die eidgenössische Rennleitung heute Überstunden ab; mein erstes Pozileiauto soll ich erst gegen Nachmittag sehen.^^

Mein Navi findet es mal wieder lustig, mich über mit Kuhscheisse bedeckte "Ortsumfahrungen" zu leiten. Also schalte ich die Streckenplanung ab. Weiß ja grob, wo ich hinwill. Lokale Karte und die Himmelsrichtung nehme ich aber trotzdem gerne. Zum Glück, die Orientierung velieren wird einem hier leicht gemacht...

Ohne größere Zwischenfälle erreiche ich wie geplant Wattwil und lege einen ersten kurzen Tschikstop ein. Wenig beeindruckend, aber inzwischen ist es in der Sonne immerhin sehr angenehm. Passt.

Weiter geht es relativ unspektakulär über Rapperswill über die Oberseebrücke am schönen Zürichsee, Ägerisee und Lauerzersee vorbei an Schwyz nach Brunnen zum ersten richtigen Stop in Brunnen zum Beine vertreten und ein paar Fotos machen.

Das Wetter passt. Bis hierher und in der Richtung, aus der ich gekommen bin. Voraus schauts leider grau aus, aber egal. Et hät noch immer jot jegange!

Entlang des wunderschönen Vierwaldstättersee und immer schön parallel zur Autobahn arbeiten wir uns langsam vor in Richtung Wassen. Das ist der Ort, der in der SWR3 Stauschau seit ewigen Zeiten zweiter Favorit für die meisten Meldungen aus der Schweiz ist (Richtung Göschenen). Ansonsten hätte ich sicherlich noch nie was von dem Kaff gehört... die Beliebtheit muss irgendwas mit dem Gotthardmassiv, dem Tunnel und auch dem gleichnamigen Pass zu tun haben. Ich bin jedenfalls gefühlt den halben Tag auf der Gotthartstraße unterwegs. Jetzt, gleich und später auch. Na ja, wir ignorieren den Stau jedenfalls und biegen rechts ab zum Sustenpass. Oben angekommen stelle ich fest: Thermofutter wäre doch nicht sooooo verkehrt gewesen, ließ sich aber aushalten.

[Platzhalter für Video, Schnitt, Upload, etc. dauert halt alles seine Zeit - und interessiert vermutlich eh keinen.^^]

Über Gadmen geht es weiter bis nach Innertkirchen. Leider irgendwie ziemlich unsexy; der nächste Tschikstop und - um das Klischee zu Bedienen - Biss in eine mitgebrachte Käsesemmel findet an einem Park&Ride-Parkplatz an der Grimselstraße statt. Tja, der Name ist Programm und ab jetzt werde ich der Sonne hinterherjagen.

Weiter geht es also Richtung Grimselpass und hinter Guttannen beginnt der langsame Aufstieg. Laaangweilig, denke ich erst. Denn nur nach und nach entfaltet der Grimsel sein Flair. Hinter dem Gelmersee ändert sich die Landschaft massiv. Was am Anfang noch schön herbstliches Alpenpanorama war verwandelt sich anfangs unmerklich in eine immer kärgere werdende Einöde. Wenn mal jemand einen Low-Budget-Film über den Mars drehen möchte, findet er hier bestimmt verdammt tolle Drehorte. Ich bin begeistert, mich reizen solche kargen Landschaften, die den Blick auf Details fördern und die Frage in den Raum stellen, warum es eigentlich keine auf Silizium basierenden Lebensformen gibt... (wer Terry Pratchett gelesen hat wird vermutlich darauf hinweisen wollen, dass Silizium nur in kalten Bedingungen die Entwicklung von Intelligenz zulässt. Detritus lässt grüßen!^^)

Am Scheitel musste ich dann einfach nochmal anhalten, der Ausblick runter nach Gletsch und den direkt anschließenden Furkapass finde ich irgendwie erhebend.

Über Gletsch soll es also weitergehen, dieses Mal nur kurze Zeit zwischen zwei Stops. Nur wenige Kilometer, aber etliche Serpentinen weiter lud die Eisgrotte am Rhonegletscher zum nächsten Stop ein. Long story cut short: wenig Gletscher. 9,.. SFr Eintritt für die Eisgrotte sparte ich mich auch; kurz vor mir war eine Busladung Asiaten eingetroffen. War eh schon spät. Und kalt.^^

Wenn die Touris weg sind bestimmt ein toller Ort für eine Nacht in den Alpen.

Weiter gings es also über den Furkapass in Richtung Andermatt.


In Andermatt muckte dann Scarlett etwas auf, sie war durstig. Begeistert war ich nicht, aber es half ja nichts. Um sportliche 1,95 SFr/l wurde Ihr Lebenselixier nachgefüllt. Karma, Baby! Nach den €1,09 letzte Woche in der zoll- und steuerfreien Zone in Livigno hatte sich damit wieder alles ausgeglichen. Trotzdem fuhr ich leicht grummelig von dannen. Wieder mal auf die Gotthardstraße, dieses Mal an der Teufelsbrücke vorbei in Richtung Göschenen. Zwar keine Autobahn, zäh ging es aber trotzdem voran, da der scheinbar frisch gebackene ungarische Busfahrer weit, weit vorne entweder nur minimalste Bremsleistung verfügbar hatte und daher besonders vorsichtig fuhr oder vermutlich eher einfach hoffnungslos überfordert mit den Serpentinen der Schöllenen-Schlucht war. Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen aber für Mulder und Scully wäre diese Frage vermutlich nicht aufregend genug gewesen. Nicht so jedoch für die schweizer Rennleitung (da ist sie endlich mal, wenn man sie braucht), welche den arg heruntergekommenen Bus dann passenderweise vor dem Kreisverkehr am Teufelsstein herauswunken. Danke!

Da ich unbedingt den Klausenpass noch von der diesjährigen To-Do-Liste anhaken wollte, führte mich ein Teil der Strecke zurück bis nach Bürglen auf bereits passierten Pfaden. Dort gab es dann eine kurze Pause zum Austreten und für die obligatorische Tschik sowie einen kleinen Abstecher zum Tell-Museum.

Da mir langsam ein wenig die Zeit davonlief, verzichtete ich auf den Besuch im Museum und sattelte schleunigst wieder auf und hinter Schiringen ging dann der Spaß ein letztes Mal für diesen Tag los. Ein geiler Pass, allerdings habe ich mich stellenweise gefühlt wie ein Känguruh, weil die Strecke teilweise EXTREM buckelig ist.

(Hier folgt ein temporäres Video, das ich mal schnell zusammengeschnitten habe ohne Musik, dafür aber mit einer geliehenen zweiten Cam am Heck. Ich beherrsche das Schnittprogramm und die Bild-in-Bild-Funktion noch nicht wirklich... aber für einen ersten Eindruck reicht es sicherlich schonmal^^)

 
Auf der Passhöhe folgte dann auch schon der nächste Fotostop, bevor ich mich leider langsam, aber sicher, auf den Weg in heimatliche Gefilden machen musste...
 
 
 
Über Glaurus und Mollis ging es dann zum Walensee, nochmal ganz gechilltes Fahren bis hinter Walenstadt. In Sargans drückte nochmal die Blase, daher ein letzte Stop mit Fotomöglichkeit vor der Heimkehr:
 
 
Hier wären wir dann auch bei Platzt 1 der in der SWR3 Stauschau meistgenannten Orte in der Schweiz.. wer hat es noch nicht gehört? Stau auf der A3 zwischen Sargans in Richtung Zürich. Heute allerdings eher Zürich in Richtung Sargans.^^ Mir doch egal, ich muss da nicht durch. Wo ich allerdings durch musste, war jetzt zum wiederholten Mal Vaduz. Langsam hatte ich es satt. Irgendwie bin ich die letzten Wochen an jedem verdammten Wochenende mindestens einmal hier vorbei gekommen. Ich kann es einfach nicht mehr sehen! Genausowenig übrigens wie Feldkirch und daher war ich froh, die letzten Kilometer mal wieder über die Rheintalautobahn A14 abkürzen zu können. Es dunkelte eh schon und ehrlich gesagt hatte ich auch langsam keinen Bock mehr. So war ich um 19:30, also nach 10,5h und insgesamt über 530km ziemlich froh, als Scarlett von sich aus den Weg ̶d̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶s̶̶t̶̶a̶̶l̶̶l̶ die Tiefgarage fand und weder betankt, noch gewaschen werden wollte. Glücklich und zufrieden wieder zu Hause zu sein sattelte ich ab und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein. Schön wars!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Èrdna« (07.10.2018, 08:19)
#3

Michael

Deutschland

André, Hut ab!

wieder ein klasse Bericht und mein Neid ist Dir gewiss... weil: ich wollte morgen auch mal wieder und das Regenradar ist aktuell anderer Meinung. Aber egal, Du schreibst eh die besseren Stories... weiter so! 😛 😉

Beste Bikergrüße, Michi

#4

Èrdna

Österreich

Stories schreiben kann jeder. "Erfahren" nur der, der auch fährt. Ich drück Dir die Daumen für morgen! 😉

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