#1

Èrdna

Österreich

Wie in diesem Jahr üblich, macht mir das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung... :(

Servas mitanand,

da mein Urlaub dieses Jahr auf Grund von krankheitsbedingter Personalnot leider ausfallen musste, bleiben mir halt nur verlängerte Wochenenden, wobei dieses noch nicht mal wirklich verlängert war. Na ja, Klagen helfen auch nicht weiter, also machen wir das Beste daraus! 😉

La familia hatte sich beschwert, dass sie mich zu selten zu Gesicht bekommt, also mache ich aus der Not einfach eine Tugend und beordere sie dahin, wo ICH Motorrad fahren will. In diesem Fall nach Scena (Schenna) oberhalb von Meran. Damit habe ich eine gute Homebase für ein paar Tagestouren und muss die a̶n̶s̶t̶r̶e̶g̶e̶n̶d̶e̶ ̶B̶a̶g̶a̶g̶e̶ liebe Familie und Fragen wie "Warum hast Du eigentlich keine Freundin? oder "Findest Du nicht auch, dass Du etwas zugelegt hast?" nicht mehr ertragen, als nötig.

Da mein Chef unseren Urlaubsplaner leider nicht kennt oder bewusst ignoriert, finde ich mich am Freitag, 30.08.019, um kurz nach Sechs also im Büro ein, um vor dem am Vortag aufgedrückt bekommenen Kundentermin um 09:00 wenigstens noch etwas wegzuschaffen. Der Kunde ist dann ganz nett, aber obwohl ich schon mit den Hufen scharre muss ich leider das komplette Wohlfühlprogramm für den Kunden inkl. 1,5 Stunden dauerndere Führung durch sämtliche Abteilungen und Produktionsschritte über mich ergehen lassen. Kunde und ich werfen uns gelegentlich leicht resignierte Blicke zu, aber da müssen wir jetzt beide durch... Um 11:00 kann ich mich dann ausklinken und fahre nach Hause, um die letzten Brocken zu packen, Scarlett aufzurödeln und noch schell die Katzen durch eine kleine Schmuseeinheit auf meine Abwesenheit vorzubereiten, was beide aber eher ablehnen. Hauptsache, es gibt Fressi!

Um 11:50 bin ich startklar und komme exakt 1,5km weit bis zur ersten Zwangspause kurz vor der schweizer Grenze. Ein LKW ist liegengeblieben und blockiert die Kreuzung. Der Verkehr steht überall. Na das geht ja gut los. Da vor allem deutsche Mautvermeider scheinbar alle einen Linksdrall haben und ein Durchschlängeln damit effektiv verhindern, habe ich schon nach 10 Minuten den Kaffee auf, schaffe es aber irgendwann doch über die schweizer Grenze und um Zeit aufzuholen auf die Autobahn.

Immerhin läuft es hier ganz passabel und so erreiche ich schon kurt darauf Landquart, wo ich in Richtung Davos abbiege. Auch hier läuft trotz Wochenendverkehr noch alles flüssig, so dass ich schon bald die Auffahrt zum Flüelapass erreiche. Hier macht sich dann allerdings der Ausflugsverkehr deutlicher bemerkbar, weswegen ich leicht abgefu..t auf der Passhöhe die erste Tschickpause einlege und die Blechlawine erstmal passieren lasse.

Flüela bin ich bisher immer nur vor oder nach der Saison gefahren, weswegen der Aufkleber für das Topcase auch mangels offenem Kiosk bislang noch fehlte. Also schnell mal nachgeholt und weiter geht es runter nach Zernez und in Richtung Ofenpass. Auch hier ist ganz gut was los, daher gibt es nach einer knappen Stunde in the middle of nowhere den nächsten Tschick- und Fotostop.

Bis Santa Maria im Münstertal schwimme ich mit dem Verkehr, dann geht am Umrailpass endlich der Spaß los.


Nachdem ich mich langsam warmgefahren habe, bin ich auch schon kurz vor dem Stilfser Joch.

Die paar Meter bringen wir jetzt auch noch her, bevor eine ausgedehntere Pause ansteht. Ich brauche braune Brühe und was zwischen die Zähne. Also schnell weiter und zur Passhöhe, rechts abgebogen und noch ein paar Meter Höhe gewinnen. Dass am Pass mal wieder der Papst im Kettenhemd boxt brauche ich vermutlich nicht extra erwähnen...

Die Bartgeier waren eine knappe Stunde vor mir da. Mist, schon wieder verpasst. Trotzdem wird schnell eine Gulaschsuppe eingeworfen und der ersehnte Kaffee auf ex gezogen und mit einem alkoholfreien Weizen nachgespült. Die Zeit drängt, aber ich habe ein gutes Zeitfenster erwischt. Während viele andere Verkehrsteilnehmer sich gerade wohl mit Kaffee und Kuchen beschäftigen, kann ich halbwegs frei runter nach Trafoi dübeln.


Natürlich ist auch wieder der eine oder andere Horst dabei, aber ein Harleyfahrer schießt wirklich den Vogel und fast auch mich ab und nur so gerade eben reisse ich mir beim Ausweichmanöver nicht den Koffer am Randstein ab:
 
Das freigesetzte Adrenalin in Verbindung mit dem kurz vorher zugeführten Koffeein verhelfen immerhin zu einem spaßigen Ritt nach unten. Zwischen Spondinig und Meran ist der Spaß allerdings vorbei, Unmengen an Flachlandtirolern, dreimal durch die Führerscheinprüfung gefallenen Niederländern / Belgiern und ein paar Inselaffen, sowie die normal durchgeknall fahrenden Italiener machen den Weg bis zum Tagesziel Scena zu einer kleinen Tortur. In Meran versagt dann auch Garmin mal wieder und will mich partout über eine gesperrte Straße lotsen, bis ich den Kack irgendwann einfach ausmache und der Nase nach fahre. Et hät noch immer jot jegange! So auch dieses Mal. Mit fast leerem Tank erreiche ich Scena und finde tatsächlich auf Anhieb die Ferienwohnung im Zunnelerhof, wo mich die Donna und der Don schon erwarten.
 
Der Ausblick vom Balkon auf Meran und ein Erdinger Alkoholfrei lassen dann auch in kürzester Zeit meine angespannten Nerven etwas herunterfahren.
Zum Abendessen geht es hinunter ins Dorf zum Schnennerhof wobei wir zwischendurch noch einen schnellen Blick auf das Schloss werfen
 
und den Abend mit einem Negroni einläuten.
 
Gefolgt wird dieser von einem wirklich ausgezeichneten gegrillten Wolfsbarsch mit Grillgemüse
 
Im Anschluss an das vorzügliche Mal genießen wir noch einen Espresso, doch mir lässt eine Sache keine Ruhe. Auf dem Weg habe ich aus dem Augenwinkel ein "Reissdorff-Kölsch" Schild entdeckt, was mir etwas spanisch vorgekommen ist. Oder italienisch. Fakt ist aber, dass ich als Leverkusener Jung ja gerne Reissdorf trinke und soeben die südlichste Zapfstelle in Europa entdeckt habe. Oh, welch Freude meinerseits. La familia hatte sich eigentlich schon auf einen gemütlichen Rest vom Abend auf dem Balkon mit Billig-Williams von Lidl gefreut, aber da hatten sie die Rechnung ohne mich gemacht, denn ich stürmte den Rochushof und brüllte schon von Weitem "Trab an Du Klappstuhl, und bring nen Meter Kölsch mit!".

Den Meter gab es zwar nicht, aber der Wirt dachte mit und brachte prompt dreimal 0,4l Kölsch,
 
was ihm prompt die Frage einbrachte, ob er zu faul zum Laufen sei. Absoluter Stilbruch, Kölsch trinkt man einfach aus einer 0,2l Stange. Na ja, andere Länder, andere Sitten. Ich ergab mich in mein Schicksal und trank einfach schneller. Der faule Hund sollte nicht so einfach und ungeschoren davon kommen! Prinzipiell sicherlich ethisch und moralisch vertretbar, da ich aber um 5:00 aufgestanden war forderte die Druckbetankung doch leider schnell ihren Tribut und nach nur vier Runden musste ich leider die Segel streichen. Aber heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder, keine Frage!
 
Es ging also zurück nach Balkonien, wo der angedrohte Fusel auch noch seinen Weg in meine Kehle fand, zusammen übrigens mit einer Dose Bitburger, die ich neben Forst und obskurem Schwarzbier im Kühlschrank fand. Irgendwann geht aber auch der schönste Tag zu Ende und nach einem letzten Blick auf das nächtliche Meran
 
verabschiedete ich mich gegen 01:00 auf das Gästesofa...
 
Fortsetzung folgt.
 
 

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#2

Michael

Deutschland

Einfach genial zu lesen 😉 😃 mehr davon...

Beste Bikergrüße, Michi

#3

Èrdna

Österreich

Samstag, 31.08.2019

Strahlender Sonnenschein begrüsst mich. Ob des Konsums diverser Einheiten C2H5OH bin ich ausnahmsweise erst gegen 07:00 wach. Falls es hier Schweine oder eine Kirche geben sollte, habe ich die glückseligerweise wohl überhört. Da La familia trotz fortgeschrittenen Alters noch erstaunliche Durchschlaffähigkeiten beweisen, ziehe ich mich mit dem wie immer mitgebrachten Buch auf den Balkon zurück und lege eine kleine Lesestunde ein, bis ich gegen 08:00 beschließe, die Kaffeemaschine einzuschalten und vielleicht den Wiedererweckungsprozess damit etwas zu beschleunigen. Pustekuchen! Ich habe schon eine halbe Kanne Kaffe aus einer viel zu kleinen Tasse in mich hineingeschüttet, als ich gegen halb Neun erste Lebenszeichen vernehme. Da behaupte noch mal jemand, alte Leute brauchen weniger Schlaf...

Muttern versaut zwar die gekochten Eier, weil sie ohne Eierkocher kein einziges Ei beschädigungsfrei in einen Topf bugsiert bekommt, also unterbreche ich das Experiment, reiße das Küchenkommando an mich und produziere munter aus den Überresten eine Portion Rührei. Der Schuss Milch für maximale Fluffigkeit ist den Elterntieren unbekannt, wird aber später gelobt. Tja, da können auch die noch was lernen! Der Brötchenservice war auch schon da uns so steht bald einem ausgedehnten Frühstück nichts mehr im Wege. Zu ausgedent für meinen Geschmack, weswegen ich mich um 09:30 aus dem Friede-Freude-Rührei-Land verabschiede und langsam mal aufrödele. Mein Wortkontingent für diesen Tag ist eh schon erschöpft, also endlich Motorradfahren.

Ein Mann, ein Wort^^.Ich sattele auf, rolle den Berg runter nach Meran und fasse erstmal Nektar für Scarlett nach und mache mich dann auf den Weg nach Bozen. Weil ich zum Glück nicht zum ersten Mal hier bin und meine Lektion gelernt habe, natürlich NICHT auf der Straße, die alle Navis gerne als beste Router vorgeben, sondern auf einer Parallelstraße auf der anderen Talseite. Deutlich enstspannteres Fahren. Ein Stückchen durch Bozen muss ich allerdings trotzdem, und hier kann ich mal wieder eine Nachhilfestunde in städtischem Fahren durch die italienischen Rollerfahrer nehmen. Gut, die haben keine Koffer dran, deswegen sind meine Schlängelversuche etwas weniger elegant. Seis drum.

Hinter Bozen fahre ich erstmal parallel zur Brennerautobahn auf der SS12, verpasse aber dank nur leicht verspäteter Ansage vom Garmin bei Blumau eine Ausfahrt und finde mich unerwartet auf einer gemütlichen, kurvigen Nebenstrecke wieder und folge ihr einfach, bis in Völs die Lust auf eine Tschick und einen Café überhand nimmt.

Garmin wird nicht mehr wirklich gebraucht, also schalte ich die Navigation ab und um auf die Kartenansicht. So eine grobe Karte ist doch manchmal hilfreich in Bezug auf Kurven, Radarfallen, etc. A propos Radarfallen: die Italiener sind ja echt clever. Da nicht jeder der Blitzdingskästen immer gefüllt sein kann, kleben sie bei leeren Boxen einfach einen Aufkleber drauf, der von Weitem so aussieht, als sei sie gefüllt. Hinterlistige kleine Teufel! 😉

Über St. Anton, St. Konstantin und diverse andere St. Irgendwas sowie Kastelruth (hier gebe ich lieber Gas, da will ich schnell wieder weg bevor mir so ein Spatz noch vors Moped hüpft und mich zwangsbeglückt) erreiche ich den nächsten planmässigen Halt, Wolkenstein. Der Name ist Programm, das sieht nicht so furchtbar gut aus...

Es gibt eine schnelle Koffeintransfusion und ein Konterwasser, dann springe ich auch schon wieder in Scarlett´s Sattel und bin unterwegs zur Sellarunde, die ich allerdings im Gegensatz zu den meisten vor mir fahrenden gegen den Uhrzeigersinn fahren werde. Ganz gute Entscheidung, vermutlich. Auf der Auffahrt zum Sellajoch fängt es an zu regnen. Nicht viel, aber doch genug, um den Boden schmierig zu machen. In Verbindung mit a) nicht mehr ganz taufrischen Reifen und b) einem Fahrbahnbelag, der stark verbesserungswürdig ist, macht das nicht wirklich Spaß. Hilft aber nichts, Augen zu und durch. Am Sellejoch regnet es stärker, also trete ich die Flucht nach vorne an und fahre weiter zum Pordoijoch.

Hinter mir sieht es ja schon wieder halbwegs gut aus, aber vor mir leider nicht...

Vielleicht schaffe ich das Rennen mit der Zeit, also schnell weiter in Richtung Passo di Campolongo. Die Straße ist teilweise in erbärmlichem Zustand, ich vermisse Schilder mit der Aufschrift "50-40-30-20-10" - 50 Schlaglöcher auf den nächsten 40m, 30 Jahre alt, 20cm tief und 10cm lang. Hatte ich meine Reifen schon erwähnt? Nur zur Ehrenrettung: vor der Abfahrt am Freitag hatten die noch 1,9mm Profil...

Vor dem Passo di Campolongo fängt es richtig an zu schiffen. Zeit für eine Pause und die Zufuhr von Kohlenhydraten und Koffein. Ich stoppe bei einem kleinen Hotel und wäre besser noch einen knappen Kilometer weiter zu einer anderen Taverna gefahren. Die "hausgemachten" Tagliatelle sind leider etwas verkocht und die Steinpilze, auf die ich mich kurz vorher noch gefreut hatte, haben diesen Zustand schon vor langer Zeit überschritten und sind einfach nur noch schleimig. Schade.

Da es immer noch regnet und mein italienisch nicht gut genug für eine Konfrontation mit dem Koch ist, verzichte ich auf eine Reklamation und schütte noch etwas Kaffee nach, bis der Regen nachlässt.

Flugs wird wieder aufgesattelt und die letzte Etappe der Sellaronda in Angriff genommen, das Grödnerjoch. Der Verkehr ist nun merklich mehr und freies Fahren eher nicht mehr gegeben. Seis drum, dann hängen wir halt hinter eine Kolonne. Die Aussicht entschädigt zumindest etwas. Oben am Joch kann ich dann tatsächlich alle fehlenden Aufkleber für das Topcase erstehen und mache fix ein paar Fotos für Polarsteps,

bevor es wieder runter geht nach Wolkenstein. OK. Das war also die Sellarunde. Hat mich irgendwie eher weniger begeistert. Halb soviel maximal. Schlechte Straßen, viel Verkehr. Für das Wetter kann das Wetter ja nichts. Trotzdem unbefriedigend. Dafür ist der Punkt jetzt endlich von der Bucketlist gestrichen. Ist ja auch schonmal was.


Nächster Stop: Elzenbaum kurz vor Sterzing.Die Burgk Rabenstein ist zum Glück ein guter Orientierungspunkt, sonst hätte ich den Einstieg zum Penserjoch glatt verpasst und bis Sterzing durchfahren müssen. Ich halte an der SS508 um die Batterien der Cams zu wechseln und eine Tschick zu rauchen. Drei Motorräder aus Oberbayern düsen an mir vorbei, mit einem von denen werde ich später noch ein ernsthaftes Wörtchen zu reden haben. Aber first things first, bis ich mit der Tschick fertig bin sind die Kollegen schon über alle Berge und damit beginnt für mich dann das eigentliche Tageshighlight:

 
Schnelle Kurven, langsame Kurven, enge Kurven, weite Kurven. Herz. was willst Du mehr? Nach fünf Minuten kassiere ich den ersten aus der Gruppe von vorhin, der zwar fährt wie eine Bleiente, aber sonst nicht weiter auffällig ist. Zwei Minuten später habe ich seine Kollegen vor mir und der Hintere winkt mich an einer unübersichtlichen Stelle beinahe in den Gegenverkehr. Hier besteht aktuter Gesprächsbedarf! Geht aber alles gut und kurz darauf ist auch der letzte aus der Gruppe passiert und ich düse frisch, fromm, fröhlich, frei weiter bis zum Pass um den obligatorischen Fotostop einzulegen und auf die Jungs zu warten...


Als sie dann da sind, entschuldige ich mich erstmal, dass ich ihnen etwas am Arsch geklebt habe, tue aber auch meinen Unmut über die leicht gefährliche Situation kund und es stellt sich heraus, dass der Kollege mich einfach nur loswerden wollte, weil er mein versetztes Fahren falsch interpretiert hat. Na ja, Schwamm drüber, ich hätte auf sein Zeichen ja auch nicht überholen müssen. Wir rauchen eine gemeinsame Tschick, schnacken etwas und dann trennen sich unsere Wege wieder. Wohlweislich fahre ich vor ihnen los. 😉
 
Es geht wieder abwärts nach Bozen und zwischen Sarntheim und Halbweg hat es gut geschüttet. Das Wasser steht teilweise zentimeterhoch auf der Fahrbahn. Keine gute Ausgangslage mit meinen Reifen, also fahre ich wie auf rohen Eiern. Ein entgegenkommender Bus ist nicht ganz so vorsichtig unterwegs und verpasst mir eine ordentliche Dusche, die mir eine Fontaine durch die Membran des Kombi, sämtliche Entlüftungsöffnungen und den nicht ganz geschlossenen Helm odentlich ins Gesicht drückt. Nass bis auf den Sack und nahezu blind lege ich einen kurzen Stop an der nahegelegenen Bushaltestelle ein und lege zumindest die Scheibe von Innen und meine Brille wieder trocken, gesehen habe ich auf den letzten Metern nämlich nur noch so viel wie Steve Wonder. Nämlich nix.
 
Diverse Tunnel später (bei 12 habe ich aufgehört zu zählen) bin ich wieder in Bozen, wo mich strahlender Sonnenschein und ca. 30 Grad erwarten. Toll. Einen schnellen Espresso doppio und zwei Tschicks später bin ich dann auch fast schon wieder trocken, also weiter Richtung Scena auf dem gleichen Weg wie morgens und mit Tankstop an der gleichen Tankstelle. Immer noch nicht billiger geworden... da bin ich ja aus Österreiche echt verwöhnt, was die Spritpreise angeht.
 
Zum Abendessen verschlägt es uns heute direkt in die Kölsch-Tanke von gestern. Da wären wir sowieso später noch gelandet, also warum das Unvermeidliche hinauszögern? Immerhin enttäuscht die Küche nicht, meine Ossobucchi (= zweimal ein Ossobuccho) sind grandios
 
und auch das eine oder andere Reissdorf und ein spendierter Grappa finden wieder den direkten Weg in meine Leber. Da ich inzwischen Freundschaft mit dem Wirt geschlossen habe und er eine NC750 fährt, werde ich bestimmt mal irgendwann wieder in Scena aufschlagen. Ist halt nur die halbe Strecke als wie bis nach Köln... und ich kann sogar noch Pässe auf dem Weg dorthin fahren und dann vom Insiderwissen profitieren.
 
Trotzdem geht natürlich auch der schönste Abend mal zu Ende, heute sind wir etwas früher dran als gestern. Auf dem heimischen Balkon gibts noch eine Runde vom obligatorischen Lidl-Fusel, während ich das Regenradar für den morgigen Tag checke. Hätte ich besser nicht getan. Das sieht nicht gut aus! Die Rücktour über den Passo Tonnale und Gavia kann ich knicken. Übrigens auch im Hinblick auf meinen Reifen, der tatsächlich schlappmacht. Da hat der italienische Asphalt wieder mal ganze Arbeit geleistet...
Kurzentschlossen wird umdisponiert. Zurück geht es nun über das Timmelsjoch (immerhin mal aus der anderen Richtung), das Hahntennjoch und über den Arlberg in den Wald und nach Hause. Wenn ich vor dem Regen bleibe, geht sich das schon noch aus. Grip ist zum Glück im trockenen noch ordentlich da.
 
Einen weiteren Willi später impfe ich den Eltern den Abfahrwunsch 09:00 ein, schicke sie ins Bett und rauche noch eine letzte Tschick, bevor ich mich auf das zu kleine Klappsofa falte.
 
Schön war´s, Scena!

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Èrdna« (03.09.2019, 21:09)
#4

Michael

Deutschland

Und wieder: einfach klasse, Andre - da wäre ich doch gerne dabei gewesen 😉

Beste Bikergrüße, Michi

PS: die Vorfreude auf unseren Tourstart wächst auch zunehmend 😃 😃

#5

Èrdna

Österreich

Tja Michi, Du wärst gerne bei mir dabei gewesen, ich wäre gerne bei Deiner nächsten Tour dabei.^^

Was erkennen wir dabei: wir sollten mal wieder ein gemeinsames Ründchen drehen. Vielleicht anlässlich Deines nächsten Parmesaneinkaufs Anfang Oktober? 😉

#6

Michael

Deutschland

André, die Idee ist super - aber da kann ich leider nicht, und das obwohl Brückentag 😞 da bin ich geschäftlich unterwegs... aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben - gelle 😉

Beste Bikergrüße, Michi


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Michael« (04.09.2019, 19:27)
#7

Manfred

Deutschland

Herrlich, André, 

die flotte Schreibe und die Fotos haben schon fast Kultstatus hier im Forum, davon bin ich überzeugt... !
Wieder mal eine tolle Tour. Die GPX Daten dazu speicher ich liebend gerne, wenn´s mal passt, lade ich die auf´s Phone und los geht´s!

Viele Grüße, Manfred

#8

Èrdna

Österreich

Manfred, hoffentlich viel Spaß damit!

Michi, wir finden schon wieder zusammen. 😉


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Èrdna« (04.09.2019, 19:50)
#9

Èrdna

Österreich

Sonntag, 01.09.2019

Ein weiterer wunderschöner Morgen in Scena, noch mag man fast gar nicht glauben, dass da eine fiese Regenfront im Anmarsch ist... das Regenradar zeigt aber leider das Gegenteil.

Froh, die Elterntiere gestern früh ins Bett geschickt zu haben, schaffen wir es tatsächlich, uns bereits um 08:00 zum Frühstück zu versammeln. Ich habe natürlich meine Lesestunde schon hinter mir und auch bereits neuen Kaffee aufgesetzt, da der Kanneninhalt nur noch für eine Tasse für jeden reicht. Beim Frühstück entbrennt dann der klassische Kampf um "Oberchen" und "Unterchen" einer Brötchenhälfte... manche Marotten scheinen tatsächlich mit dem Alter zu kommen und ich verstehe auch nach Dekaden noch nicht, wo jetzt der verzehrtechnische Unterschied zwischen beiden liegen soll. Aber so ist La familia halt. 😉

Ich schaffe es tatsächlich gegen 08:45 die sich in den letzten Tagen öfter wiederholende Diskussion über die Ziele und das Programm der nächsten Urlaubstage der lieben Eltern zu unterbrechen und verkündige meinen Aufbruch. Imaginäres Fanfarenschmettern und ein goldener Buzzer mit viel Lametta untermalen meinerseits diesen historischen Moment. Endlich bin ich die wieder los. Ist natürlich nur Spaß, aber anstrengend sind sie schon etwas. Vor allem labern die soviel... ich werde sie trotzdem vermissen. 😉

Meine Klamotten habe ich natürlich schon gepackt, also bestehe ich auf auf einem zügigen Aufbruch ohne viel Tralala und verstaue meine Habseligkeiten und Mitbringsel wie Speck, Schnaps und Olivenöl mal wieder in Scarletts vielfältigen Stauräumen. Zelt, Faltstuhl und so weiter habe ich dieses Mal ja zu Hause lassen können. Vattern bewundert einmal mehr die kunstvoll abgefahrenen Reifen, die wie üblich leicht ausufernde Verabschiedung steht an und dann bin ich wieder auf dem Weg nach Hause.

Von Meran bis ins Passeiertal ist es ja nicht weit, und obwohl das Frühstück noch nicht lange zurückliegt, hätte ich wohl tatsächlich noch beim Brückenwirt in St. Leonhard eine geniale Pizza eingeworfen, wenn er denn schon geöffnet hätte. Dann hätte ich aber vermutlich ein anderes Problem bekommen: ab 11:00 ist wegen eines Radrennens das Timmelsjoch ab Moos gesperrt, auch jetzt stehen schon Absperrungen, aber ich werde durchgewunken. Positiver Nebeneffekt: heute ist entsprechend wenig los und trotz wenig Profil bringe ich noch ordentlich Grip auf die Straße. Also nehme ich den Spaß gerne mit und gase noch mal etwas an.


Kurz vor der Passhöhe mache ich einen Trink- und Fotostop. Grandios mit den Wolken.

Tschick fertig, Wasser leer, also schnell weiter bis zur Mautstelle. Die dort befindliche Kassiererin macht auch gerade Tschickpause weil so wenig los ist, als bedeute ich ihr, in aller Ruhe weiterzurauchen. So eilig habe ich es dann auch nicht. Als Dank bucht Sie mir einen 20% Rabatt und rundet dann noch großzügig ab, so dass ich anstatt den regulären €14,-- nur €11,-- auf den Tresen legen muss. Lohnt sich doch manchmal, nett zu seinen Mitmenschen zu sein. 😉

Über Sölden geht es wieder relativ ereignislos hinuter ins Ötztal. Wenig Verkehr, das gefällt mir. Entsprechend lasse ich Scarlett auch die Zügel etwas locker und bin noch leicht im Italienmodus was Geschwindigkeit und die Beachtung der lokalen Verkehrsregeln angeht. Entpsprechend ziehe ich auch bei Huben an einem vor mir einbiegenden Lieferwagen im Überholverbot über eine Sperrfläche, überhole trotzdem und cruise weiter leicht schneller als die Polizei erlaubt umeinander. Dummerweise ist der Biker, der schon seit Sölden immer so knapp 300m hinter mir fährt von der Rennleitung und setzt sich kurz vor einer Bushaltestelle vor mich und bedeutet mir rechts ran zu fahren.

 
Er hat ja Recht, ich bin mir meiner Schuld bewusst. Dass die Cam noch läuft habe ich glatt vergessen, weswegen ich ihn auch leider nicht gemäß Datenschutz-Grundverordnung über seine Rechte aufklären und eine Einwilligung zur Verwendung des Videomaterials einfordern kann. Dafür belehrt er mich erstmal kurz und wir brauchen über meine Verstöße gar nicht groß palavern. Ist halt so und ich habe mich daneben benommen. Er ist ziemlich locker drauf, lediglich beim Blick auf den Hinterreifen entgleisen ihm kurzfristig die Gesichtszüge. Nachdem ich ihm aber eine Tschick spendiert, ein wenig von der vergangenen Tour erzählt und auch ein paar Fotos gezeigt habe, belässt er die Ahndung meiner Misstaten lediglich beim am wenigst teuren bestraften Überholen im Überholverbot und kassiert nur €35,-- - er hätte auch €90,-- nehmen können, mir wegen den Reifen die Weiterfahrt untersagen und einen Abschlepper bestellen können... so ermahnt er mich nur, nicht in den Regen zu kommen und wünscht mir noch eine gute Weiterfahrt. Ehrenmann! 😉
 
Manchmal braucht man ja einen kleinen Schuß vor den Bug, und so bewege ich mich nun StVO-konform weiter durch das Ötztal in Richtung Imst, um dort mal wieder auf das Hahntennjoch einzubiegen. Boah, ist hier was los! Heute hat zwar keiner einen Bootshänger mit Yacht dabei, trotzdem hänge ich erstmal in einer Blechlawine fest. Bei der ersten Gelegenheit fahre ich daher raus um denen einen Vorsprung zu geben. Sind manchmal ja nur 10 Minuten, die über Lust oder Frust entscheiden.


Am Aussichtspunkt ist auch noch ein Pärchen mit einer Téneré und genießt das Ambiente. Er mit Jeans und T-Shirt, sie ebenfalls ohne Schutzkleidung, scheinbar frisch aus Thailand importiert und "totally amazed". Na gut, die fahren da eh, als gäbe es kein Morgen, daher ist es für sie vermutlich eine Verbesserung mi Leitplanken usw. 😉

Kurz darauf mache ich mich wieder auf den Weg und habe Glück, wenn vor mir ist nicht viel los, dafür fallen ein paar vereinzelte Tropen Regen. Bis nach Elmen dübel ich durch, bis im Café Treibholz ein Pflichstop ansteht. Der Wirt Carsten ist gerade etwas überfordert, weswegen ich am Stammtisch Platz nehme und ihm beim Vorbeigehen nur zurufe "egal, welcher Kuchen noch da ist". Dass ich dazu gerne ein großes Spezi haben möchte weiß er eh und kurz darauf kommt es auch schon zusammen mit einem tollen Joghurt-Johannisbeer-Kuchen, den seine Frau Kerstin wie immer mit Liebe gebacken hat. Einfach lecker!

Wir kennen uns schon lange, deswegen lege ich auch einfach nur einen Zehner unter den Aschenbecher und verdrösel mich wieder. Ich weiß, dass das Wechselgeld in der Sammelbüchse des Biker Charity Run "Rheumakinderklinik Garmisch Partenkirchen" landen wird und brülle einfach nur ein "Machs gut, Du Zecke!" über den Platz, wofür ich ein zurück gebrülltes "Nerv nicht!" erhalte. Wir verstehen uns. ;)

Da die Wetteraussichten leider nicht sehr zu meinen Gunsten ausfallen, fahre ich nicht die große Runde durch das Tannheimer Tal, Oberjoch, Riedbergpass und den Wald zurück, sondern kürze über Warth und den Hochtannbergpass ab. Weiter geht es natürlich durch den Bregenzer Wald und hoch zum Bödele / Losenpass, wo ich einen letzten, traditionsgemässen Tschickstop einlege. Wie man sieht, ist mir der Regen auf den Fersen...

Wieder unten in Dornbirn wird Scarlett noch schnell wieder vollgetankt, bevor auf dem Weg nach Hause noch ein Vollbad in Lustenau ansteht.

Die Reifen haben nun echt Fertig...

sind aber auch nur zwei Tage später bereits wieder durch einen der Jahreszeit angepassten Satz Road 5 ersetzt.

Jetzt muss ich nur noch mal langsam neue Fußrasten, bzw. Schleifer anschaffen...

Alles in allem eine ordentliche Tour, auch wenn ich mir von der Sellaronda mehr versprochen hatte. Dafür entschädigen die Anfahrt und das Penser Joch, das wohl aktuell mein Lieblingspass ist.. von der Family Time mal abgesehen, die steht eh für sich. 😉


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Èrdna« (04.09.2019, 21:29)
#10

Wolfgang

Deutschland

Alles zusammen eine schöne Tour mit wenigen Einschränkungen (Wirte, Knöllchen, Regen etc.). Danke für den schönen Bericht.

VG Wolfgang

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