#1

Michael

Deutschland

eine ausgedehnte Heimreise

Am vergangenen Freitag war dann doch der letzte Arbeitstag für den Monat Juli und ich konnte noch schnell eine Woche Urlaub einschieben - mehrwöchige Urlaube sind für mich dieses Jahr einfach nicht machbar... trotzdem: nicht nur auf Grund des Wetters, sondern auch auf Grund der Tatsache das nun alle Bundesländer Ferien haben und die Autobahnen entsprechend voll sind - die Heimreise aus dem Allgäu mit dem Bike angetreten. Nun könnte man ja direkt fahren - aber ich war schon lange nicht mehr in den Südtiroler Bergen unterwegs.

Somit ging's also Freitag gleich nach dem Mittag ab Richtung Süden - Gaichtpass zum Einschwingen und rauf auf's Hahntennjoch, übrigens zum ersten Mal in dieser Saison. Und prompt trübt sich das Wetter ein, dachte ich zuerst das die Kombination Leder und mehr als 30 Grad nicht gerade prickelnd sind, machte ich mir am Hahntennjoch gleich mal Gedanken über die Regenklamotten... egal, die paar Tropfen gehen schon, dachte ich noch so... dann kam der erste Platzregen des Tages - Wurscht, das muss das Leder abkönnen. Ging auch ohne – noch...

Danach die eher "langweilige" Strecke bis zum Timmelsjoch. Noch kurz in Sölden nachgetankt und mit Sorgen den Himmel beobachtet, da kommt nix gutes, wobei die Natur braucht das Wasser. Es wurde zunehmend dunkler und als die GS ihr Abblendlicht einschaltete, war mir klar da kommt was... Und das kam dann auch - ich hatte so ca. noch 1 Minute um an der Mautstelle am Timmelsjoch die GS unter ein Dach zu bugsieren und dann ging das aber los...

Einige Cabriofahrer versuchten verzweifelt ihre Autos unter die Dächer zu bekommen, schließlich war auch kleiner Hagel in der Körnung 2-4 mm dabei – da spielten sich schon kleinere Dramen ab. Alle Plätze waren belegt – und auch Wasser, Blitz, Donner und Sturm nahmen kurzfristig deutlich zu.

Nach 20 Minuten wurde mir das zu blöd, Regenklamotten hatte ich schon an - also los. Eine nette Sozia schaute mich irritiert an, als ich meinen Helm aufsetzte und meinte mitleidig nur „gute Fahrt“, was mir wiederum ein leises „bei Sonne kann ja jeder“ entlockte. Und ab zum Duschen... Alter, welche Wassermassen da runter kamen, aber eine GS kann das ab und auch der Battlax A41 ist da absolut top! Einmal oben am Sattel wurde es zumindest schon mal heller, der Regen etwas weniger und so ging es runter nach Moos.

Trotz den 14€, die mittlerweile am Timmelsjoch aufgerufen werden, mir macht der einfach Spaß. Auf der italienischen Seite dann gemütlich durchs Passeier Tal und den Jaufenpass vollkommen stressfrei von der Westrampe her angefahren - das ist für mich ungewöhnlich, ich komme eigentlich eher immer von der anderen Seite 😉 sowohl den Jaufenpass als auch das Penser Joch hatte ich für mich allein, ist ja auch klar: wer will bei dem Wetter schon fahren.

Ernsthaft: es gibt schöneres als im Regen rumzuturnen, aber mir hat es trotzdem Spass gemacht - ich fahr halt gerne Motorrad. Und irgendwann kommt man auch im Regen in einen „Flow“ und mit Vertrauen in Bike und Reifen ist alles gut!

In Vipiteno nahm ich dann gleich wieder Reißaus von den Stadtstraßen und ab in den Süden - das Penserjoch hatte ich das letzte Mal vor 2 Jahren unter den Gummi's. Und so ging's durch das Sarntal bis nach Astfeld, dort eines der wenigen verfügbaren Zimmer ergattert, es ist ja Hauptsaison. Moped in der Garage, Klamotten trocknen ebenfalls. Jetzt erst mal ein Stiefelbier... das hab ich mir verdient.

In der Garage treffe ich einen jungen Ducati Fahrer mit seiner Hypermotard 939. Der war von der Größe der GS erstaunt, als ich so neben ihm einparkte – oder war es die Größe der 939? Egal... er meinte, wie man wohl so ein großes Gerät durch die Berge bzw. durch Kurven bekommen würde? Ich so: ganz einfach 😉 wir könnten ja mal kurz gemeinsam... – das lehnte er aber dann doch dankend ab.

Bei supernetten Wirtsleuten und klasse Essen im Hotel Alpenblick genächtigt und richtig gut geschlafen.

Soweit fast alles perfekt... aber bevor ich‘s vergesse: der Vollhorst des Tages ist diesmal ein Slowakischer Kangoofahrer, der bei der Abfahrt vom Timmelsjoch in einer Spitzkehre rechts genau am Scheitelpunkt einfach mal stehen bleibt, weil da kam Gegenverkehr (in 3 km Entfernung...) - an sich kein Thema, aber ich hatte einfach nicht damit gerechnet und war bereits im „spitzkehre rechts fahren“ Modus... Fuß unten, GS gehalten, Glück gehabt.

Der Samstag... Morgens früh raus, Frühstück leider erst um 07:30... und gleich die Hiobsbotschaft des Tages: der Staller Sattel ist auf Grund eines Murenabgangs gesperrt – war wohl doch zu viel Wasser gestern. Verdammt... trotzdem will ich den Tag nutzen, über die SP135 gehts über die Berge Richtung Osten - nicht ohne einen Abstecher zu den Erdpyramiden im Finsterbachgraben (https://www.ritten.com/de/sonnenplateau/highlight/erdpyramiden.html).

Da passiert mir fast ein Missgeschick: wollte nur kurz stehen bleiben um Bilder zu machen und komme mit dem rechten Fuss in eine Senke und die GS in Schieflage... oha, wird die schwer, und nur mit maximaler Anstregung kann ich sie irgendwie halten. Schwein gehabt...

Dann auch schon der erste VH (Vollhorst) des Tages: auf der bekanntermaßen sehr schmalen SP73 Richtung Barbian fährt plötzlich ein deutsches Wohnmobil vor mir – das kann's doch nicht sein. Warum muss ich mit so einem Gerät die Strasse verstopfen? Gott sei Dank versteht er wenigstens das Hupen der italienischen Dame hinter ihm und nach einer gefüllten Ewigkeit findet er den Platz um rechts ran zu fahren und uns passieren zu lassen...

Dann doch noch Kurvenspaß, nachdem ich den Fiat 500 der nett hupenden Dame kassiert hatte. Holla die Waldfee 😉 i love my GS 😉

Weiter über Barbian und dann die Seiten gewechselt - über die Eisack und schon wieder hinauf - in Richtung Würzjoch, die SP27 wird gefahren.

Ich hätte zwar auch über Grödnerjoch und Co. fahren können, aber die kenne ich zur Genüge, also diesmal eine etwas andere Streckenführung... kurz vor dem Abzweig nach Laion der 2te VH des Tages: wieder ein deutscher Autotourist, besser gesagt ein Köllscher Jecke, der mit seinem Touran und 2 E-Bikes am Heck die Straße zumachte – Kampflinie pur, getreu dem Motto: die kürzeste Verbindung zwischen 2 Punkte ist die Gerade, und im Kurvengeschlängel somit keine Chance zum Überholen. Selbst der Gegenverkehr musste teilweise bremsen, was für ein … schließlich gelang mir aber dann doch das Überholen und dann war mit auch klar, warum der nur geradeaus fahren konnte: die Kombination von kurzen Armen und dicken Bauch sorgen wohl dafür, dass das Lenkrad am Körper anliegt und somit fast nicht zu bewegen ist.

Vorbei am Naturpark Puez-Geisler und am Peitlerkofel. Das nächste Highlight ist der Furkelpass - und immer weiter in Richtung Nordosten. Die SP139 entpuppt sich als Trainingseinheit für Gelände und Offroadfahren. Nicht ganz ohne, Belag eher schlecht und im Wald dann auch schmierig und unübersichtlich, aber auch das haben wir gemeistert.

Oben am Furkeljoch war das Wetter und die Aussicht doch schon ganz gut...

An der Kreuzung in Valdaora di Sotto zeigt sich dann die Wahrheit: der Staller Sattel ist gesperrt... schade, schade. Somit heißt das Rückreiseverkehr auf der SS 49 / E66 der üblichen Art über Dobiach und Sillian, danach gings etwas besser und ich konnte doch mit einigen richtig netten Überholmanövern nach „vorne“ fahren.

Gemütlich und unaufgeregt geht es bis Lienz zum Tanken und Wasser kaufen (ich hatte meine Aluflasche beim Aufrödeln auf den Boden gestellt – und da steht die wohl jetzt noch), und dann auf die Felbertauern Bundesstraße... das dient dazu Strecke zu machen, fahrerische Highlights gibt es da eher wenige... der Tunnel kostet mittlerweile auch schon einen Zehner, dafür ist man schnell auf der anderen Seite der Hohen Tauern.

Jetzt heißt es "laufen lassen", ich muss am Nachmittag daheim sein - wir müssen noch Salate machen, es steht Abends eine Geburtstagfeier an 😉

Über den Pass Thurn von Salzburg nach Tirol gewechselt und immer weiter Richtung Oberbayern. Vorbei an Kitzbühel, Kössen und dann bin ich schon wieder in Deutschland, besser gesagt im bayrischen Chiemgau - meine Heimat 😉 in der Ecke bin ich aufgewachsen... am Chiemsee vorbei, Obing, Schnaitsee und Oberneukirchen - Utting heißt mein Ziel.

Da bin ich dann auch nach an die 700km angekommen - wie üblich: etwas erschöpft, aber super happy. Jetzt noch Salat machen und dann ab zum Grillfest 😉

Solche Wasserfahrten sind nicht ohne, aber ich muss auch mal ein Lob an meine GS (einfach nur genial das Teil) und an meine Ausrüstung abgeben: die Stiefel blieben trotz Membran absolut dicht, auch die Regenklamotten haben nichts durchgelassen – Top! Einzig die Handschuhe haben bereits nach wenigen Minuten als Wasserspeicher gedient, ist aber auch kein Wunder, sind ja dünne Sommerhandschuhe. Und wenn ich das Wasser der letzte Touren so zusammenzähle, müsste es sich bei den kommenden Touren um reine Schönwettertouren handeln... hab ja schon alles abbekommen 😉

Beste Bikergrüße, Michi


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Michael« (29.07.2019, 10:14)
#2

Hans

Deutschland

Hallo Michi,

ein super netter Bericht ! Diese Strecken sind wir ( Sozia und ich ) auch schon des öfteren gefahren, allerdings ohne geduscht zu werden. In diesem Jahr steht die Schweiz auf dem Tourenplaner.

Danke für Deinen Bericht  �

Beste Grüsse

Hans

#3

Èrdna

Österreich

Super Bericht Michi. Da wäre ich ja fast lieber mit Dir unterwegs gewesen, als mit mir. Aber nur fast... wegen meinem geilen Risotto am Freitag Abend. 😉

#4

Peter

Österreich

Wow Michi, tolle Runde und viel erlebt! Das ist doch die Würze des Motorradfahrens 😋.

 

Irgendwie habe ich keine Übersicht hier im Forum. Deinen Bericht habe ich nur zufällig gefunden 🤔.

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